Überschuldet: Ein Blick auf die psychologischen Folgen

Überschuldet: Ein Blick auf die psychologischen Folgen

Deutsche Wissenschaftler haben untersucht, ob und wie sich Schulden auf die Gesundheit auswirken. Hierbei haben sie einen eindeutigen Zusammenhang erkannt. Rund die Hälfte aller Studienteilnehmer, die mit ernsthaften Geldsorgen zu kämpfen haben, sind psychisch erkrankt. Vor allem Angstzustände und Depressionen stellen ein ernsthaftes Problem dar. Zudem führen die Geldschwierigkeiten dafür, dass Therapieangebote kaum genutzt werden.

Schwierigkeiten werden verdrängt

In der Praxis werden die Schulden gerne verdrängt. Sie werden als große Belastung empfunden, weshalb Betroffene sich mit ihrer finanziellen Situation nicht beschäftigen müssen. Allerdings bleibt das Verdrängen nicht ohne Folgen. Die Finanzen geraten zunehmend mehr ins Trudeln, bis eines Tages der große Schock kommt.

Erst dann wird vielen Menschen klar, wie ernst es um ihre Lage steht. Nicht selten folgt eine Art Lähmung, d.h. die Betroffenen werden handlungsunfähig. Die Situation gleicht einem Zusammenbruch.

Das Selbstwertgefühl leidet

Gerade in unserer heutigen Zeit befinden wir uns in einer kuriosen Situation. Auf der einen Seite geht es den Menschen besser als je zuvor, andererseits steht das Geld mehr denn je im Mittelpunkt. Vor allem das Thema Status ist sehr ernst: Die Mehrheit der Menschen definiert sich über Beruf und Wohlstand. Wer Geld hat, zeigt dies gerne.

Menschen mit Geldproblemen wird bewusst, dass sie in dieser Welt nicht viel zu sagen haben. Sie befürchten, nicht mehr wahrgenommen zu werden. Nicht selten leidet darunter das Selbstwertgefühl, was viele Dinge umso schlimmer macht. So kann es daraufhin z.B. an Elan mangeln, um die eigene Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

Auswirkungen auf die Psyche

Schulden beeinflussen die Psyche gleich in mehrfacher Art und Weise. Da wäre zunächst der Einfluss auf das Selbstwertgefühl. Es verringert sich, wodurch es z.B. schwerer fallen kann, Fuß am Arbeitsmarkt zu fassen oder schlichtweg die Finanzen zu ordnen. Zudem entwickeln sich die Geldprobleme zu immer größeren Sorge – schließlich geht es am Ende um die eigene Existenz. Dieser Druck ist so enorm, dass er Erkrankungen nach sich ziehen kann.

Diese Erkrankungen sind wiederum primär von psychischer Natur. Wie einleitend schon angedeutet wurde, handelt es sich hierbei vor allem um Ängste und Depressionen. Die Ängste drehen sich vor allem um die eigene Existenz. Viele Menschen fragen sich, ob es ihnen gelingen wird, die eigene Familie weiterhin zu ernähren. Es kann aber auch befürchtet werden, dass es nicht mehr gelingt, ein Leben zu führen, wie es die Gesellschaft erwartet.

Die Depressionen können sich wiederum auf ganz unterschiedliche Art und Weise äußern. Als besonders kritisch gilt die Depression mit manischen Phasen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass während der manischen Phasen leichtfertig Geld ausgegeben wird und sich die Situation dadurch verschlimmert.

Wenn die Aussichtslosigkeit zum Selbstmord führt

worried-30148_640Je stärker der finanzielle und gesellschaftliche Absturz, desto größer ist die Gefahr, dass Menschen unerwartete Kurzschlussreaktionen treffen. Einige solcher Fälle wurden durch die Medien bekannt. So haben sich z.B. schon Menschen das Leben genommen, weil sie an der Börse sehr viel Geld verloren haben – nicht selten den Großteil ihres Vermögens. Obwohl sie danach immer noch Millionäre waren, haben sie Selbstmord begangen.

Soweit darf es nicht kommen, weshalb vor allem das Umfeld gefragt ist. Es sollte Gefahrenanzeichen erkennen und aktiv werden. Eine rechtzeitig begonnene Therapie kann Schlimmeres verhindern.