Wie Geldsorgen die Psyche negativ beeinflussen

Wie Geldsorgen die Psyche negativ beeinflussen

Über Geldprobleme wird in unserer Gesellschaft nicht gesprochen. Das Thema gilt als so persönlich, dass es schon aus Prinzip verschwiegen wird. Die meisten Menschen fressen derartige Probleme in sich herein, selbst innerhalb fester Beziehungen kommen die Geldsorgen nur selten zu Wort.

Gerade bei uns in Westeuropa ist dies ein sehr ernsthaftes Problem. Verantwortlich dafür zeigt sich das Wertesystem der Gesellschaft. Alles ist auf die Zukunft ausgerichtet, es wird intensiv geplant. In den Lebensplänen haben Fehlentscheidungen wiederum keinen Platz. Die Menschen befürchten, dass ihr Ansehen enorm leidet, wenn ihre Misserfolge nach außen hin sichtbar werden.

Übrigens gibt es Studien, die solch eine Verhalten auch in anderen Teilen der Erde belegen. Gerade in Nordamerika sind die Menschen ähnlich gestrickt. Auch dort wird über finanzielle Sorgen nur äußerst selten gesprochen. Es fällt den Menschen zu schwer, dieses heikle Thema anzusprechen und beispielsweise professionellen Rat zu suchen.

Wenn Geld zum Stressfaktor wird

consumer-47205_1280Verständlicherweise bleiben finanzielle Probleme nicht dauerhaft ohne Folgen für die Gesundheit. Zunächst und meist auch am stärksten leidet die Psyche. Kein Wunder: Das Thema Geld ist dauerpräsent – und wer keines oder nicht genug davon hat, bekommt das sehr deutlich zu spüren. Viele Dinge sind dann unerreichbar, was durchaus belastend sein kann.

Damit wird Geld zu einem echten Stressfaktor, besonders wenn das Umfeld ähnliche Sorgen nicht zu kennen scheint. Dann gerade viele Menschen erstrecht unter Stress. Sie möchten mithalten, können es aber nicht. Es drohen Mehrausgaben, welche die Situation nur verschlimmern.

Außerdem muss es nicht bei der bloßen Belastung durch Stress bleiben. Betroffene fühlen sich oftmals unsicher, weshalb sie sich im Lauf der Zeit immer mehr abschirmen. Sie kapseln sich von ihrem Umfeld ab, weitere Folgen nach sich ziehen kann. Aufgrund der sozialen Isolation treten die eigenen Probleme noch mehr in den Vordergrund. Längst gibt es Untersuchungen, die eindeutig belegen, dass Menschen mit Geldsorgen häufiger krank sind. Besonders Ängste und Depressionen sind eine häufige Folge.

Auch Besserverdiener können betroffen sein

Wer nun meint, dass Betroffene fast ausschließlich in den unteren Bevölkerungsschichten zu finden sind, liegt falsch. Zwar besteht dort ein höheres Risiko, weil die Geldsorgen meist sehr viel präsenter sind. Allerdings kann es ebenso Personen treffen, die überraschend gut verdienen.

Grund ist das bereits angesprochene Umfeld. Es gilt mitzuhalten – und wer viel verdient, muss umso mehr Geld ausgeben. Gerade wenn Betroffene sehr auf Status erpicht sind, besteht ein erhöhtes Risiko, in Geldsorgen zu geraten.

Gedanken zur Behandlung

Längst gibt es Behandlungsansätze, um Betroffenen zu helfen. Ein ganz wesentliches Hilfsmittel ist die Psychotherapie. Ihr Ziel ist es, den durch die Geldsorgen bedingten Stress und ggf. weitere damit verbundene gesundheitliche Folgen wieder loszuwerden. Je nach Person wirkt eine Therapie unterschiedlich gut. Manchmal werden gute Erfolge erzielt, manchmal auch nicht.

Kritiker sehen das Problem im einseitigen Ansatz. Die Ursache für die Geldsorgen kann z.B. damit zu tun haben, dass es an finanzieller Bildung mangelt. Deshalb gibt es Experimente, in denen die Psychotherapie mit Unterricht kombiniert werden. Hierbei wurden schon beindruckende Erfolge erzielt. Den Patienten fällt es später leichter, ihre Finanzen in den Griff zu bekommen und dann schuldenfrei zu bleiben. Daraufhin fühle sie sich auch geistig und körperlich besser.

Umgang mit Geld bereits in der Schule lehren?

Schon immer gab es Menschen, die sich darüber beschweren, dass in den Schulen nicht unterrichtet wird, wie der Umgang mit Geld auszugehen hat. Die Ergebnissen aus besagten Untersuchungen unterstreichen die Bedeutung einer solchen Schulbildung. Würden die Menschen schon früh lernen, wie sie mit ihrem Geld richtig umgehen, blieben ihnen die Finanzprobleme womöglich erspart. Zugleich würden sich nicht nur dort profitieren, schließlich hätten sie dann auch den geldbedingten Stress nicht.